HWK-Konjunkturumfrage drittes Quartal 2026Lichtblicke, aber kein Aufschwung
Die Wirtschaftsforscher und die Bundesregierung haben ihre Wachstumsprognosen für 2026 zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Doch für das schwäbische Handwerk zeichnen die aktuellen Konjunkturdaten für das dritte Quartal ein eher durchwachsenes und differenziertes Bild. Die Zufriedenheit mit der Geschäftslage ist im Durchschnitt aller Branchen auf gleichbleibendem Niveau. 82 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend. Vor drei Monaten waren es genauso viele. Doch zwischen den einzelnen Branchen gibt es deutliche Unterschiede.
Lage am Bau verbessert
Unverändert hoch ist die Zufriedenheit im Ausbaugewerbe. Dort sind 92 Prozent der Unternehmen positiv gestimmt, gefolgt vom Lebensm ittelgewerbe (88 %) und dem Kfz-Handwerk (84 %) mit ebenfalls überdurchschnittlichen Werten. Erfreulicherweise hat sich die Lage im Bauhauptgewerbe etwas verbessert. Der Anteil der zufriedenen Betriebe ist um zehn Punkte auf 77 Prozent gestiegen. Die Lage bleibt aber angespannt, zumal die Reichweite der Auftragsbestände gesunken ist. Skeptisch sind die Bewertungen bei den verbrauchernahen Dienstleistungen (76 %), die Konsumenten bleiben weiterhin zögerlich, wenn es um Anschaffungen oder andere Ausgaben geht. Weiter verschärft hat sich die Lage bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Nur noch rund zwei Drittel der Befragten (68 %) bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend.
Dazu Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben: „Über 80 % unserer schwäbischen Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage weiterhin positiv. Das zeigt, dass das Handwerk trotz schwieriger Rahmenbedingungen robust und im Kern leistungs- und anpassungsfähig bleibt. Im krisengebeutelten Bauhauptgewerbe macht die positive Entwicklung etwas Mut. Doch der genaue Blick auf einzelne Branchen macht auch die Probleme deutlich. Bei den gewerblichen Zulieferern und Dienstleistern hat sich die Lage nochmals verschlechtert. Generell ist die Liquidität in den Unternehmen angespannt, die Investitionsbereitschaft ist zu gering. Die Bundesregierung muss jetzt endlich liefern und ihre angekündigten Reformen zügig umsetzen. Es ist allerhöchste Zeit. Die Lohnzusatzkosten sind zu hoch, der Bürokratieabbau muss in den Betrieben spürbar werden. Andernfalls droht das für 2026 prognostizierte Wirtschaftswachstum ein kurzes Strohfeuer zu bleiben.“
Auch im dritten Quartal bleibt die Auftragsdynamik schwach. Lediglich 15 Prozent berichten über ein Plus bei den Auftragseingängen. Hoffnung macht, dass zumindest der Anteil der Betriebe zurückgeht, die ein Minus verzeichnen. Aktuell melden 27 Prozent einen Rückgang, vor drei Monaten waren es fünf Prozentpunkte mehr. Bei den Handwerken für gewerblichen Bedarf ist die Auftragslage besonders angespannt. 35 Prozent berichten von rückläufigen Auftragseingängen. Noch können viele Betriebe von ihrem Auftragspolster zehren. Doch die Reichweite geht zurück. Sie liegt bei 7,8 Wochen, im Vorquartal lag sie bei 8,5 Wochen, im Vorjahresquartal sogar bei 9,1 Wochen.
Steigende Preise
Der anhaltend hohe Preisdruck schränkt die Liquidität der Betriebe zusätzlich ein. Gut jeder zweite Betrieb (56 %) meldet einen Anstieg bei den Einkaufspreisen. Lediglich 26 Prozent können diesen Anstieg durch eine Erhöhung bei den Verkaufspreisen ausgleichen. Das verschärft den Kostendruck und nimmt den Unternehmenden finanziellen Spielraum für erforderliche Projekte oder Investitionen. Knapp jeder dritte Betrieb gibt an, weniger investiert zu haben.
Fast drei Viertel der Betriebe (72 %) gehen davon aus, dass sich an ihrer aktuellen Geschäftslage nichts ändern wird. 19 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung (Vorquartal: 16 %). Mit einer gewissen Skepsis blicken die Betriebe auf die Entwicklung von Aufträgen und Umsatz. Jeweils rund ein Viertel erwarten geringere Auftragseingänge und weniger Umsatz bei gleichzeitig hohem Kostendruck. 63 Prozent der Betriebe stellen sich auf weiter steigende Einkaufspreise ein.
Weitere Zahlen und Grafiken unter: www.hwk-schwaben.de/konjunktur