Extreme Hitzewellen beeinträchtigen das HandwerkKlimawandel auf der Baustelle
Wochenlange Hitzewellen und tropische Nächte: Die Folgen des Klimawandels sind längst nicht mehr nur in Wetterstatistiken sichtbar, sondern im Alltag der Menschen angekommen. Das Robert KochInstitut schätzt, dass in Bayern in diesem Sommer rund 2.130 Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben sind. Gleichzeitig belastet die Hitze auch die Wirtschaft: Bereits ein einziger Hitzetag verursacht laut Prognos-Institut deutschlandweit Schäden von rund 431 Millionen Euro, vor allem durch sinkende Produktivität. Besonders betroffen sind Branchen wie das Bau- und Ausbauhandwerk.
Maßnahmen zum Hitzeschutz
Bei der Taglieber Holzbau GmbH aus Oettingen beschäftigt man sich bereits seit Jahren intensiv mit den Folgen des Klimawandels. Gemeinsam mit dem bifa Umweltinstitut und Umweltmedizinern der LMU München entwickelte das Unternehmen ein Konzept, um Beschäftigte besser vor Hitzebelastungen zu schützen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahl der Hitzetage weiter zunimmt“, sagt Geschäftsführer Stefan Taglieber.
Ein großer Vorteil des Holzbauunternehmens: Viele Arbeitsschritte werden in den Werkhallen in Vorfertigung erledigt und nicht erst auf der Baustelle. Dort werden besonders anstrengende Tätigkeiten möglichst in die kühleren Morgenstunden verlegt. Zusätzliche Trinkpausen, gekühlte Getränke und verschattete Bereiche gehören selbstverständlich dazu. „Die Maßnahmen müssen praktikabel sein und von den Mitarbeitern akzeptiert werden“, betont Taglieber. Klar sei aber auch: „Sollten die Hitzetage extremer werden, müssen wir uns darauf einstellen, dass an solchen Tagen kürzer gearbeitet wird.“
Noch direkter trifft die Hitze das Dachdeckerhandwerk. Auf Dächern können im Sommer Temperaturen von 60 bis 80 Grad Celsius erreicht werden. „Ab einer gewissen Hitze wird das Arbeiten auf dem Dach schlicht zur Belastung“, sagt Michael Voigt vom gleichnamigen Dachdeckerbetrieb in Friedberg. Hinzu kommt, dass einige Materialien bei extremer Sonneneinstrahlungkaum noch verarbeitet werden können.
Die Reaktion darauf ist pragmatisch: Arbeitsbeginn so früh wie möglich, Feierabend häufig schon am frühen Nachmittag. Wasser, Sonnencreme sowie Hüte und Kappen gehören auf den Baustellen inzwischen zur Grundausstattung. „Wir versuchen, die kühleren Stunden des Tages so gut wie möglich zu nutzen“, erklärt Voigt.
Unterstützung erhält die Branche dabei auch von der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks, der SOKA-DACH. Bei wetter- und hitzebedingten Arbeitsausfällen können Betriebe Ausgleichszahlungen erhalten. Damit sollen die wirtschaftlichen Folgen extremer Wetterlagen zumindest teilweise abgefedert werden.
Voigt und Taglieber fordern unter anderem mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Vorschriften. Zusätzlich brauche es, wenn Beschäftigte wegen der Hitze deutlich früher anfangen müssten, auch die nötige gesellschaftliche Akzeptanz.
Neben der Anpassung an die Folgen des Klimawandels gebe es aber auch Chancen, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Taglieber verweist dabei vor allem auf die Vorteile des Holzbaus. Holz speichere langfristig Kohlendioxid und ermögliche Gebäude mit einer deutlich besseren Klimabilanz als viele konventionelle Bauweisen. Nachhaltige Baustoffe und klimafreundliche Baukonzepte sollten künftig noch stärker gefördert werden.
"Wir müssen uns
darauf einstellen,
dass die Zahl der
Hitzetage weiter
zunimmt.“
Stefan Taglieber
Taglieber Holzbau GmbH
"Wir versuchen,
die kühleren
Stunden des
Tages so gut wie
möglich zu
nutzen.“
Michael Voigt
Voigt Bedachungen GmbH & Co. KG